Briefinhalte 1

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  Brief vom Gefreiten Karl W. -FpNr. 11806 C = 2. Kp. Inf. Rgt. 71 -
 29. Inf. Div. (mot) - geschrieben am 24.12.1942  an seine Frau Hildegard

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                         24.12.42

               Meine Lieben !             

Heute ist der große Tag und ich sitze hier in dem traurigen Rußland. Wir sollen ja etwas Kuchen und auch ein Brot bekommen. Da wird sich wieder einmal satt gegessen. 

 Was Päckchen anbetrifft brauchen wir uns, wenigstens ich keine Sorgen zu machen denn die Marken werden nicht mehr rechtzeitig angekommen sein. Ich wäre schon zufrieden wenn ich einmal einen Brief von meinem Lieben hätte, jetzt sind es nun schon 10 Wochen das ich nichts von Euch gehört habe. Wenn heute Abend das Verpflegungsauto kommt, da soll ja Post mitkommen,  vielleicht .......                  
seitlich:
Grüße an alle Freunde und Bekannten
 

 

....ist dann auch ein Brief für mich dabei. Ist einer dabei, dann ist das für mich das größte Weihnachtsgeschenk. Hans ist auch seit 2 Tagen wieder bei uns, es ist auch bei der Truppe besser als beim Troß.
Es gibt kaum etwas zu essen mehr, und liegen auch in Ruhe.
Am Tage können wir nicht aus dem Bunker raus, weil der Russe bloß 300 m von uns liegt und der schießt auf jeden einzelnen Mann.
Wie steht es denn nun zu Hause bei Euch, Kuchen kannst Du ja backen, wenn es auch bloß Milch und Mehl ist.
Mache nur unseren lieben Jungens eine Freude, ich freue mich in weiter Ferne mit Dir , meiner lieben Frau. Wenn ich Glück haben sollte feiern wir dann das Weihnachtsfest 1943 zusammen.Meine liebe ......
 

 

....Frau hast Du denn die Filme entwickeln lassen,dann schicke mir doch ein paar Bilder ,ich habe doch von unserem kleinen Karl – Heinz überhaupt keins bei mir.
Ich sehe ihn noch immer als ich wieder weg mußte und Du mit ihm aus der Fenster raus schautest.Auch Otto höre ich noch auf dem Bahnhof rufen. Auf Wiedersehen Papa.
Am ersten Januar werde ich 120 M wegschicken , lasse jedem 60 Mark ins Sparbuch schreiben, wenn Du aber etwas kaufen kannst dann lege ich es lieber an. Es ist egal, was es ist. Für Dich werde ich schon noch einmal ein besseres Weihnachts- geschenk  auftreiben können. Wie steht es denn nun mit Lauer – hast Du denn da etwas bekommen, mache es so wie ich Dir schon geschrieben habe.Liebe Hilde wenn ...
 

wir erst wieder frei sind, dann werde ich doch erst einmal ins Lazarett müssen, denn mein Arm wird immer schwächer .Er ist bloß noch Haut und Knochen dran.Am 20 ten waren es nun schon 4 Wochen das wir eingeschlossen sind, seit 4 Wochen bloß halbe Portion , da kannst Du Dir ja vorstellen was wir jetzt entbehren.Erzähl es aber nicht einem anderen, denn es könnte für mich zum Nachteil sein.Mache Dir aber keine Kopfschmerzen ich halte schon durch, so ganz kraftlos bin ich noch nicht. Der Gedanke an Euch wird mir die Kraft geben , weiterhin durchzuhalten. So nun will ich schließen und hoffe das ich nächstes Jahr Weihnachten mit Euch zusammenfeiern kann.Also seit vielmals herzlich gegrüßt und geküßt von eurem lieben Papa. Schicke mal vorläufig kein Päckchen mehr weg.
Auf Wiedersehen.