Seite3 - Einsätze des Unteroffiziers Arthur Krüger

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                     Der  Weg in die Freiheit, von Stayer bis Sori – Genua .

Wir waren am 8/9. Mai 1945 im Sammellager bei Steyer in Oestereich von den Amerikanern registriert und sortiert worden. Da wir gegen die Russen und nicht  gegen die Amerikaner gekämpft hatten, sollte das Lager schnell aufgelöst werden. Schreiber aus unserem Rgm. die englisch sprachen, kamen zum Entlassungskommite. So auch ein Uffz. meiner Kompanie.
Da ich in Ungarn hinter die russischen Linien geraten war und meine Papiere verbrannt hatte, schrieb er mir einen Soldbuchersatz, mit: geboren in Bozen und Heimatanschrift Sori – Genua  Italien. Der Ami Offizier fragte, wie, was ein Deutscher Soldat, Italiener? Mein Kamerad, der Schreiber, mit dem alles abgesprochen war, wusste, wenn ich angeben würde, dass ich aus Danzig bin, würde ich denen zugeteilt, die an die Russen ausgeliefert werden. Er erklärte dem Offz. die Geschichte von Bozen und Südtirol. Er gab sein Okay, ein Stempel und ich war entlassen.
Ein Amerikaner gab mir noch für eine russische Kartentasche zwei Konserven und ab ging es in Richtung  Süden. Von der Amerikanischen  kam ich nun in die Englischen Zone, wurde dort von einer Gruppe Engländer aufgegriffen und in ein Lager gebracht. Ein Offizier nahm mir den Entlassungsschein und die Konserven ab. Ich protestierte, die Konserven habe mir ein Ami gegeben. Er antwortete, ist englisch drauf geschrieben, also ist es Englischeigentum. Ich ging zum Lagerkommandanten und sagte ihm, dass der Offz.mir meine Papiere abgenommen hatte und ich sei von den Amerikanern entlassen worden. Er ließ den Offz. rufen, gab mir meine Papiere wieder, und ich könne mich in der Englischen Zone frei bewegen. Ich dankte und ging weiter in Richtung Groß- Glockner.

Auf diesem Wege traf ich eine Gruppe von 6 Italienern. Wir hatten denselben Weg und ich schloss mich ihnen an. Nun begann der Aufstieg auf den Gross-Glockner,

Ohne etwas Essbares. Strassen waren keine zu sehen, es lag im Monat Mai noch meterhoch Schnee. Am Abend erreichten wir einige  Baracken, brachen sie auf und suchten nach etwas Essbarem. Fanden in einem Schrank steinharte Brotwuerfel. Wir tauten Schnee auf und kochten die Würfel im Schneewasser. Das war das erste Essen nach zwei Tagen. Wir fanden dort Decken, hüllten uns ein und schliefen wie in Engelsarmen die ganze Nacht.

Am frühen Morgen ging der Aufstieg weiter, der Schnee wurde immer höher und die Kräfte immer weniger. Gegen Mittag überschritten wir den Gipfel und erreichten auf der Südseite den Ort Heiligen-Blut. Die lieben Bewohner empfingen uns, gaben uns das erste warme Mittagessen nach langen Wochen. Ein bisschen Ruhe sich verschnaufen, und dann ging es weiter in Richtung Lienz und  Silichan, die Grenze nach Italien. Die Grenze  nach Italien  war hier geschlossen. Man durfte nur über Klagenfurt nach Italien und dort waren die Russen. Was nun, zu den Russen auf keinen Fall. Ich suchte den englischen Stadtkommandanten und sprach bei ihm vor. 

Sagte ihm, von hier bis Bozen sind nur wenige Km. Wir sprachen von Italien, von den schönen Signorinas, und meine, die wartet doch auf mich, ich wurde dem Kommandeur sympathisch, und er sagte mir, komme morgen Mittag, ich fahre dich dann rüber nach San Candido. Dort muss ich dich aber im Lager der Italiener abliefern. Am Sonntag früh, fuhr mich der gute Engländer nach S.Candido mit einem Passierschein, und lieferte mich dort im Sammellager für Heimkehrer ab. Ich wurde sofort von dem Lagerleiter, er war von dem Komunitè der Befreiung Italiens, also ein Partisanenfuehrer,vernommen.Wo und wieso ich bei den Deutschen war und warum ich nach Genua wollte und warum ich nach Genua und nicht Bozen,wo ich ja angeblich geboren sei.Ich erzählte ihm, dass ich der Sohn eines deutschen Soldaten waere,der dort 1918 in Gefangenschaft geriet und dort in der Landwirtschaft arbeitete.

Meine Mutter hatte mir erzaehlt, dass mein Vater von Danzig wäre und nach dort zurückgekehrt sei. Sie hätte von ihm nichts mehr gehört. Meine Mutter lebe in Genua und ich möchte zu ihr. Auf meinem Entlassungsschein, war ja auch alles so aufgeführt. Ich erzählte ihm dann noch, dass ich mit 16 Jahren nach Danzig ging, um dort Arbeit zu finden und meinen Vater zu suchen. Weil ich ja in der Zeit von 1943/44 als Soldat in Italien war und dort durch meinen Kontakt mit den Leuten genügend italienisch gelernt hatte und somit genau so schlecht italienisch sprach, wie die Südtiroler, wären meine Angaben glaubwürdig.

Nun wurde ich nach Bozen gebracht, ins Lager für die Heimkehrer, alles von den Partisanen organisiert. Dort wurden die Papiere für alle für die weitere Reise ausgestellt. Alle gaben dort an, dass sie aus Matthausen, und anderen Vernichtungslagern kämen. Auch, die in Deutschland besser gelebt hatten, als viele Deutsche und auch mit deutschen Frauen zurückkamen. Es war ja so schön, wenn man sagte, wie böse die Deutschen waren, und wie sehr viel sie dort gelitten hatten.

Bei der Ausstellung meiner Reisepapiere, ich wollte ja nicht sagen, dass ich auch aus Matthausen komme, machte ich den Fehler und sagte Deutsche Wehrmacht. Ich wurde verhaftet und in einen Raum gesperrt.

Nach einer kurzen Zeit kam ein junges Mädchen zu mir und fragte, wollen sie nach Deutschland, ja sagte ich. Ich werde ihnen helfen, ich habe schon vielen deutschen Soldaten geholfen. Ich bin verlobt mit einem Deutschen aus Klagenfurt. Gehen sie bitte zu ihm und sagen sie ihm, ich werde weiter den Soldaten helfen. Ich fungiere hier als die Geliebte von dem Partisanen – Boss. Wenn sie mich dabei fassen, werde ich erschossen. Nach kurzer Zeit kam ein Partisan. Du kommen bei Kommandant, sprechen. Der Boss fragt, du wollen gehen nach Deutschland, ja sage ich. Gut ich dir geben Papiere, du aber nicht darfen sagen, ich dir geben. Ich dankte ihm und ging auf den Hof, wo schon die L.K.W. zur Abfahrt bereit standen. Ich hörte den Ruf, alles nach Bergamo auf diesen Wagen. Ich sprang als Erster rauf und ab ging die Fahrt, ueber Bergamo, Mailand, Genua, nach Sori in die Freiheit. Dort halfen mir die vielen Freunde, die ich dort in der Zeit als Verantwortlicher für die Bewohner und die Verteidigung der Küste hatte.

04. Mai 2007.

Arthur Krueger

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